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Keramikpfanne: Wie gesund ist sie wirklich?

Keramikpfannen gelten als gesunde Alternative zu Teflon. Was hinter der Beschichtung steckt, was Tests über ihre Haltbarkeit zeigen und für wen sie sich wirklich eignet.

Femme montrant dans sa main des éclats de revêtement antiadhésif détachés d'une poêle (mise en scène)
In diesem Ratgeber
  1. Was ist eine Keramikpfanne eigentlich?
  2. Ist eine Keramikpfanne giftig?
  3. Keramikpfanne im Test: Wie lange hält die Antihaftwirkung?
  4. Keramikpfanne richtig benutzen
  5. Keramikpfanne: Nachteile und für wen sie sich eignet
  6. Welche Alternativen gibt es ohne Beschichtung?
  7. Häufige Fragen
  8. Quellen

Für eine echte Keramikpfanne ist nach heutigem Wissensstand kein Gesundheitsrisiko belegt: Ihre Beschichtung enthält in der Regel kein PTFE, und für die Partikel, die sich bei starkem Abrieb lösen können, ist keine gesundheitliche Wirkung nachgewiesen. Die eigentlichen Schwachstellen liegen woanders. Die Antihaftwirkung lässt in Tests oft schnell nach, und nicht jede „Keramik“-Pfanne ist frei von PTFE.

Das Wichtigste

  • „Keramik“ ist bei Pfannen eine dünne Sol-Gel-Beschichtung auf Basis von Siliziumdioxid, keine massive Keramik.
  • Reine Keramikbeschichtungen sind PTFE-frei; „Hybrid“-Beschichtungen können laut Verbraucherzentrale PTFE enthalten.
  • Im Test 1/2025 von Stiftung Warentest erhielten nur 2 von 13 PTFE-freien Pfannen die Note „gut“, oft wegen nachlassender Antihaftwirkung.
  • Niedrige bis mittlere Hitze, raffiniertes Öl und ein weicher Schwamm verlängern die Lebensdauer der Beschichtung.

Dieser Beitrag vertieft ein Thema aus unserem Ratgeber Welche Pfanne ist die gesündeste? und beantwortet die häufigsten Fragen rund um die Keramikpfanne.

Was ist eine Keramikpfanne eigentlich?

Der Name führt leicht in die Irre. Eine Keramikpfanne besteht nicht aus Ton oder Porzellan, sondern häufig aus Aluminium oder Edelstahl. „Keramik“ bezeichnet nur die Beschichtung der Kochfläche. Sie wird im sogenannten Sol-Gel-Verfahren hergestellt: Eine flüssige Mischung härtet zu einem glasartigen Netzwerk aus Siliziumdioxid aus. Patentschriften beschreiben dafür kolloidales Siliziumdioxid und Silane, teils ergänzt um Silikonöl, das den Antihafteffekt unterstützt.

Die genaue Rezeptur müssen Hersteller nicht offenlegen. Die Verbraucherzentrale weist darauf hin, dass Keramikbeschichtungen Silikonöl enthalten können. Für Sie als Käufer heißt das: Sie verlassen sich auf die Angaben auf Verpackung und Website.

Ist eine Keramikpfanne giftig?

Für diese Behauptung gibt es keine Belege. Es lohnt sich trotzdem, drei Punkte genauer anzusehen.

PTFE: nicht jede „Keramikpfanne“ ist frei davon

Eine Sol-Gel-Beschichtung enthält grundsätzlich kein PTFE, also nicht den Kunststoff, der unter dem Namen Teflon bekannt ist. Die Verbraucherzentrale warnt aber, dass manche „Keramik-Pfannen“ in Wahrheit eine PTFE-Beschichtung mit beigemischten Keramikpartikeln haben. Sie rät, ausdrücklich auf den Hinweis „100 % PTFE-frei“ oder „PFAS-frei“ zu achten. Was PTFE, PFOA und PFAS voneinander unterscheidet, erklärt unser Beitrag Ist Teflon giftig?

PFAS-Spuren: deutlich weniger, aber nicht immer null

Die französische Verbraucherorganisation UFC-Que Choisir hat 2024 acht PTFE-Pfannen und eine Keramikpfanne von Tefal auf 70 verschiedene PFAS untersucht. Auch in der Keramikpfanne fanden die Prüfer drei PFAS, allerdings in mindestens zehnmal geringeren Mengen als in den PTFE-Pfannen. „PFAS-frei“ auf der Verpackung ist daher eine Herstellerangabe, keine Garantie für null Rückstände.

Nanopartikel: offene Fragen, kein belegter Gesundheitsschaden

Forscher der US-Lebensmittelbehörde FDA und des NIST haben 2018 Keramikpfannen gespült, gescheuert und zerkratzt und anschließend mit 3-prozentiger Essigsäure geprüft. Nach der Beanspruchung gingen mehr Titan und Silizium in die Prüflösung über als bei neuen Pfannen. Nanopartikel aus Titandioxid und Siliziumdioxid wiesen sie nur im härtesten Szenario nach, dem Abrieb mit einem Hartmetallfräser. Eine Studie von Golja et al. (2017) fand bei „quasi-keramischen“ Beschichtungen mit Titandioxid-Nanopartikeln, dass Kratzer und saure Lebensmittel die Freisetzung erhöhen.

Eine gesundheitliche Bewertung enthalten beide Studien nicht. Ob solche Partikel in den gemessenen Mengen ein Risiko darstellen, ist wissenschaftlich offen. Belegt ist nur: Eine zerkratzte Beschichtung gibt mehr ab als eine intakte.

Keramikpfanne im Test: Wie lange hält die Antihaftwirkung?

Hier liegt der größte Nachteil. Stiftung Warentest hat für den Test 1/2025 ausschließlich PTFE-freie Pfannen geprüft, 13 Modelle mit 28 cm Durchmesser, beschichtet mit Keramik oder aus Gusseisen, zu Preisen zwischen 16,99 und 189 Euro. Bewertet wurden das Braten (40 %), die Beschichtung (35 %), die Handhabung (20 %) und die Sicherheit (5 %). Im Dauertest liefen die Pfannen wiederholt Zyklen mit Erhitzen auf 300 °C und Spülmaschine durch; abgebrochen wurde, sobald sich Eireste nicht mehr mühelos lösen ließen. Bei vielen Keramikpfannen war das früh der Fall. Nur zwei Pfannen erreichten insgesamt „gut“, problematische Schwermetallübergänge fanden die Prüfer nicht.

Draufsicht auf eine Pfanne mit abgeplatzter Antihaftbeschichtung neben einer Pfanne mit Titan-Kochfläche
Links eine Antihaftpfanne mit abgeplatzter Beschichtung, rechts eine unbeschichtete Kochfläche aus Titan. Jede Beschichtung ist eine Schicht, die sich mit der Zeit abnutzt.

Ähnlich fiel der Test des Schweizer Verbrauchermagazins Kassensturz (SRF, 2024) aus. Neun Keramikpfannen wurden im Labor mechanisch so beansprucht, dass es etwa einem Jahr Nutzung entspricht, danach folgte ein Omelett-Test. Nur zwei Modelle hielten mit der PTFE-Referenzpfanne mit. Bei mehreren anderen, darunter Pfannen von Greenpan und Tefal, blieb das Omelett kleben.

Eine Übersichtsarbeit in der Fachzeitschrift Results in Engineering (2025) kommt laut ihrer Zusammenfassung zum selben Bild: PTFE- und PFA-Beschichtungen lösen Lebensmittel 7- bis 14-mal besser als Sol-Gel-Keramik. Den Verzicht auf PTFE begründet Stiftung Warentest übrigens mit PFAS, die bei Herstellung und Entsorgung in die Umwelt gelangen können.

Keramikpfanne richtig benutzen

Wer sich für Keramik entscheidet, kann die Lebensdauer der Beschichtung deutlich beeinflussen. Diese Empfehlungen stammen von Stiftung Warentest, der Verbraucherzentrale und aus Herstellerhinweisen:

  • Niedrige bis mittlere Hitze: Heizen Sie die Pfanne nicht leer auf höchster Stufe auf. Kassensturz rät davon ab, Steaks in Keramikpfannen scharf anzubraten, weil sehr hohe Hitze die Lebensdauer verkürzt.
  • Raffiniertes Öl statt nativem Olivenöl: Stiftung Warentest empfiehlt Raps- oder Sonnenblumenöl. Natives Olivenöl kann bei hoher Temperatur verharzen.
  • Kein Sprühöl: Greenpan etwa rät von Öl in Sprühform ab, weil die feinen Tröpfchen schnell verbrennen und eine Kruste bilden.
  • Keine Scheuermittel: Nach dem Abkühlen mit warmem Wasser, etwas Spülmittel und weichem Schwamm reinigen, ohne Stahlwolle und ohne Metallwender.
  • Von Hand spülen und geschützt lagern: Stiftung Warentest empfiehlt die Handwäsche und ein Tuch zwischen gestapelten Pfannen.
Pfanne wird unter dem Wasserhahn einer Spüle abgespült
Abspülen von Hand: Für beschichtete Pfannen empfiehlt Stiftung Warentest warmes Wasser, etwas Spülmittel und einen weichen Schwamm.

Tipp: Bei schonendem Umgang kann eine Beschichtung laut Stiftung Warentest mehrere Jahre halten. Klebt trotz Fett und moderater Hitze alles an, ist die Antihaftwirkung meist aufgebraucht.

Keramikpfanne: Nachteile und für wen sie sich eignet

KriteriumKeramikbeschichtung (Sol-Gel)PTFE-BeschichtungOhne Beschichtung (Edelstahl, Guss, Titan)
PTFEnein, außer bei Hybrid-Beschichtungenjanein
Antihaftwirkung neugutsehr gutkeine, Technik nötig
Haltbarkeit der Antihaftwirkungin Tests oft kurzbegrenzt, nutzt sich abentfällt
Scharfes Anbratennicht empfohlen (Kassensturz)nur begrenzt, Überhitzung vermeidengeeignet
Spülmaschinebesser von Handbesser von Handje nach Material

Eine gute Wahl ist Keramik, wenn Sie eine Antihaftpfanne ohne PTFE möchten, vor allem Eier, Pfannkuchen, Fisch oder Gemüse bei mittlerer Hitze zubereiten und akzeptieren, die Pfanne nach einigen Jahren zu ersetzen.

Weniger geeignet ist sie, wenn Sie oft scharf anbraten, die Pfanne regelmäßig in die Spülmaschine stellen oder eine Pfanne suchen, die möglichst lange hält. Dann ist die Beschichtung selbst das Verschleißteil.

Steak in einer unbeschichteten Pfanne auf dem Gasherd. Für scharfes Anbraten empfiehlt Kassensturz keine Keramikpfanne.

Welche Alternativen gibt es ohne Beschichtung?

Wer keine Schicht möchte, die sich abnutzt, greift zu einem Material, das selbst die Kochfläche ist: Edelstahl, Gusseisen, Carbonstahl oder Titan. Jedes hat eigene Anforderungen. Guss und Eisen brauchen Pflege und vertragen Saures schlecht, Edelstahl und Titan leiten Wärme eher mäßig und müssen gut vorgeheizt werden. Einen Antihafteffekt wie bei einer neuen Keramikpfanne bietet keines davon. Einen ausführlichen Vergleich finden Sie im Beitrag Pfanne ohne Beschichtung.

Eine gehämmerte Kochfläche aus Titan ohne Beschichtung: Das Bratgut berührt direkt das Metall.

Eine Möglichkeit ist die Untitan-Pfanne: Kochfläche aus Titan, ohne Beschichtung, PFAS-frei. Sie hat eine gehämmerte Oberfläche und dank eines Edelstahlbodens funktioniert sie auf allen Herdarten einschließlich Induktion. Titan leitet Wärme ähnlich wie Edelstahl, die Pfanne braucht also Zeit zum Vorheizen, und sie kostet mehr als eine einfache beschichtete Pfanne. Die gehämmerte Oberfläche erleichtert, gut vorgeheizt und mit etwas Fett, das Lösen des Bratguts. Sie können sie 30 Tage lang ausprobieren und bei Rückgabe den Kaufpreis erstattet bekommen.

Häufige Fragen

Ist eine Keramikpfanne gesünder als eine Teflonpfanne?

Eine allgemeine Rangfolge lässt sich nicht belegen. Keramik vermeidet PTFE und enthält deutlich weniger oder keine PFAS. PTFE gilt laut BfR bei normaler Nutzung als unbedenklich, solange es nicht überhitzt wird. Der Unterschied betrifft vor allem die Umwelt und die Haltbarkeit.

Wann sollte man eine Keramikpfanne wegwerfen?

Wenn die Beschichtung sichtbar beschädigt ist oder Speisen trotz Fett und mittlerer Hitze dauerhaft kleben. Eine zerkratzte Beschichtung gibt bei Abrieb mehr Partikel ab als eine intakte.

Woran erkenne ich eine echte Keramikbeschichtung?

Achten Sie laut Verbraucherzentrale auf die ausdrückliche Angabe „100 % PTFE-frei“ oder „PFAS-frei“. Begriffe wie „Keramik-verstärkt“ oder „Hybrid“ reichen nicht.

Darf eine Keramikpfanne in die Spülmaschine?

Manche Hersteller erlauben es. Stiftung Warentest empfiehlt trotzdem die Handwäsche, und die Verbraucherzentrale hält Keramikpfannen für nicht spülmaschinengeeignet.

Quellen